Effektive Reproduktionszahl

Die effektive Reproduktionszahl Re gibt an, wie viele Personen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Im Folgenden geben wir ein tägliches Update für die effektive Reproduktionszahl Re in der Schweiz.

Einschätzung der momentanen epidemiologischen Lage

Die effektive Reproduktionszahl Re war Anfang März zwischen 2-3.5, was Schätzungen für andere Länder entspricht. Re ist Mitte März 2020 unter den kritischen Schwellenwert von 1 gefallen. Das derzeitige Re ist im Vergleich zu den niedrigsten Werten Mitte April angestiegen. Die Schätzungen einzelner Tage können Schwankungen unterliegen. Der langfristige Trend zeigt jedoch klar, dass Re seit Mitte Juni signifikant über 1 ist.

In den letzten Wochen ist die Anzahl der wöchentlichen Tests stark angestiegen. Auch bei Einbezug dieses Anstiegs liegt der Schätzwert von Re signifikant über 1. Dieses Resultat spiegelt den beobachteten Anstieg der Test-Positivität wieder. Die Spezifität der PCR-Tests ist sehr hoch, wodurch es zu praktisch keinen falsch positiven Resultaten kommt welche den Schätzwert beeinflussen könnten.  Zusätzlich zu den laborbestätigten Fällen ist in den letzten Wochen auch ein Anstieg der Hospitalisierungen zu beobachten. Insgesamt deuten alle von uns betrachteten Daten und Analysen auf eine exponentielle Ausbreitung von COVID-19 hin.

Erweiterte Möglichkeiten zur epidemiologischen Lagebeurteilung finden sie hier.  Dort finden Sie unter anderem die Schätzung von Re für einzelne Kantone, Regionen und verschiedene europäische Ländern. Zudem zeigen wir Abschätzungen zur Änderung von Re nach Einführung oder Lockerung von Massnahmen. Des Weiteren zeigen wir den aus den täglichen Fallzahlen errechneten Verlauf der Neuinfektionen. Die Schätzung von Re basiert auf diesem Verlauf der Neuinfektionen. Die Resultate für Re stellen wir als .csv Datei zur Verfügung.

Methoden

Das publizierte Re für einen bestimmten Tag ist ein Mittelwert über die letzten 3 Tage. Wir publizieren den geschätzten Median zusammen mit dem 95% Unsicherheitsintervall. Die Methode zur Schätzung von Re ist hier erklärt. Eine Erweiterung der Methode erlaubt uns die Infektionszeitpunkte anhand den Daten mithilfe einer sogenannten Dekonvolution genauer zu bestimmen. Diese Herangehensweise wird für COVID-19 in zwei Manuskripten (Practical considerations for measuring the effective reproductive number, Rt und A pitfall in estimating the effective reproductive number Rt for COVID-19) diskutiert. Die Dekonvolution erlaubt Abnahmen und Steigungen des Re schneller zu detektieren. Wir erhalten damit nun seit der zweiten Juni-Woche ein Re welches signifikant über 1 liegt. Für Anfang März resultiert die neue Methode in höheren Re Werten als bisher publiziert. Die Resultate basierend auf Daten vom 26.6.2020 mit der ursprünglichen Methode können hier angeschaut werden.

Die Schätzung von Re basiert von nun an ausschliesslich auf Daten vom BAG. Diese Änderung war erforderlich, da die bisher analysierten Daten von openZH in letzter Zeit mit abnehmender Häufigkeit aktualisiert wurden.

Das BAG kommuniziert täglich die Anzahl der eingegangenen Fälle der letzten 24 Stunden. Die Fälle stamen typischerweise von Fall-Bestätigungen der letzten drei Tage. Zur Schätzung von Re analysieren wir die Anzahl der Fall-Bestätigungen pro Tag. Daher können die Zahlen unseres Dashboards und die Zahlen der BAG-Berichte voneinander abweichen. Da Fälle erst einige Tage nach Bestätigung beim BAG gemeldet werden, können die heutigen Zahlen und die aktuelle Re Schätzung in den nächsten Tagen noch leicht ansteigen.

Generell basiert unsere Einschätzung der momentanen epidemiologischen Lage auf einer Reihe von Methoden, siehe Appendix A in Policy Brief «Effect of Measures». Die verschiedenen Schätzungen können im Detail voneinander abweichen, stimmen aber im Trend überein.